Moral zum Anziehen

MISERICORDIA – Die Geschichte von Misericordia beginnt mit einer Trainingsjacke. Sie fiel den Franzosen Aurelyen Conty und Mathieu Reumax während einer Perureise 2002 in Ventanilla, einem Vorort der peruanischen Hauptstadt Lima, ins Auge. Als Teil einer Schuluniform wurde sie dort von Benediktinerschwestern und ihren Schülern in der Klosterschule "Nuestra Señora de la Misericordia" gefertigt. Die Schwestern ahnten nicht, dass ihr Design perfekt zum Vintage-Look der europäischen Modemetropolen passte. Die französischen Studenten erkannten das sofort und gründeten das Modelabel Misericordia.

Aurelyen zog nach Ventanilla, entwarf dort die Kleidungsstücke und organisierte den gesamten Produktionsprozess von Misercordia. Die erste, an die Trainingsjacken angelehnte Kollektion entstand noch in der Schneiderwerkstatt der Klosterschule. Aus den Gewinnen finanzierte das Label dann eine eigene Schneiderei, die mittlerweile ins Zentrum von Lima gezogen ist. Immer noch bildet Aurelyen seine Näher dort selbst aus, alle 27 Mitarbeiter erhalten 15 Monatsgehälter, sind kranken- und rentenversichert und verdienen im Schnitt ein Drittel mehr als den peruanischen Mindestlohn.

Die Kunden müssen dem kleinen, unabhängigen Label etwas Vertrauen schenken: Die Kleidung ist von keinem der angesehenen, vertrauenswürdigen Organisationen als „Fair Trade“ zertifiziert. Auch arbeitet Misericordia bisher nicht mit organisch angebauten Rohstoffen. Eine kleine Serie organischer T-Shirts ist erstmals für die nächste Herbst/Winter-Kollektion geplant.

Misercordias T-Shirts und Jacken sind nicht eben günstig (T-Shirts um 50 Euro, Jacken um 120 Euro). Dafür bekommen die Kunden ein besonderes Produkt: alle Stücke sind von Hand genäht und werden nur in geringer Stückzahl hergestellt. Man findet sie in Konzept-Stores wie Belleville (Berlin), Bungalow (Stuttgart) oder im Netz (bei Glore oder Good True & Beautiful).

(Foto: Aurelyen/ Misericordia; Montage: Zuender)
0  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10  0
0


// Startseite // Politik // Kultur // Leben // Schwerpunkte // Bildergalerien // Redaktionsblog // Rezeptor // Markus Kavka // Selim Oezdogan // Sonntagstexte // Zitat des Tages // Spiele // IMPRESSUM