Grrrl Zines

Von Sonja Eismann und Elke Zobl

Selbstkopierte Heftchen in Mini-Auflage, werden die heute noch hergestellt? Wo doch jeder mit einem kostenlosen Weblog theoretisch Millionen von Menschen erreichen kann? Die Antwort ist: ja. Die Fanzine-Szene blüht. Trotz Internet und digitaler Kultur.

Und das seit mittlerweile fast hundert Jahren. Denn die in Eigenregie produzierten Magazine gibt es nicht erst seit der Punkära in den Siebzigern. Die Punks haben die Philosophie des Selbermachens – unter dem Schlagwort Do It Yourself (DIY) – bekannt gemacht. Fanzines gibt es aber schon seit den zwanziger Jahren. Damals begannen amerikanische Science-Fiction-Fans, auf den Leserbriefseiten von SciFi-Magazinen miteinander über ihre Lieblingsthemen zu korrespondieren. Daraus entwickelten sich eigene Amateur-Hefte für Fans von Fans, die zunächst „Fan-Magazines“ und ab den Vierzigern, lässig verkürzt, „Fanzines“ genannt wurden.

Die Bandbreite der Themen von Fanzines ist mittlerweile unendlich, die Auflagen können unter zehn oder über 10.000 liegen. Trotzdem gilt nach wie vor: Ein Fanzine ist ein Heft, das in erster Linie aus persönlicher Begeisterung heraus entsteht. Den Machern geht es nicht um Geld. Sie wollen über das schreiben, was sie toll finden, ihre Botschaft unter die Menschen bringen und Erfahrungen austauschen – jenseits der Massenmedien.

Deswegen waren Fanzines auch für die so genannten Riot Grrrls so wichtig. Ab Anfang der Neunziger traten sie vom amerikanischen Olympia aus für „Girl Power“ ein – lange, bevor die Spice Girls den Begriff auf Strass-Hemdchen druckten. Endlich konnten junge Frauen, die in den vermeintlich so alternativen Subkulturen Punk und Grunge in die zweite Reihe gedrängt wurden, über ihre eigenen Anliegen sprechen. Themen wie sexueller Missbrauch, Essstörungen, Schönheitsterror, Konkurrenzdruck und Sexismus kamen in der Szene bis dato nur am Rande vor. Mit ihren so genannten Grrrl Zines schufen die Riot Grrrls einen Platz dafür. Noch besser: Mit den Heften in der Hand konnten sie andere Mädchen auf Konzerten ansprechen und sich mit ihnen verbünden. Bald entstand ein globales Netzwerk von jungen Frauen, die sich ihre Heftchen hin- und herschickten und sich so im Kampf gegen Sexismus und Diskriminierung gegenseitig bestärkten.

Wir haben aus Millionen von Fanzines ein paar für euch ausgewählt. Teil I: die wichtigsten Zines der Riot-Grrrl-Bewegung und was mittlerweile aus ihnen geworden ist. Galerie anschauen.

 1  2  3  4  5  6  7  8  0
0


// Startseite // Politik // Kultur // Leben // Schwerpunkte // Bildergalerien // Redaktionsblog // Rezeptor // Markus Kavka // Selim Oezdogan // Sonntagstexte // Zitat des Tages // Spiele // IMPRESSUM